Interview mit Walter Leibundgut, Transformconsult AG

Name: Walter Leibundgut, Inhaber Transform Consult AG

 

Über Person: Sparringpartner und Coach für Geschäftsleistung und Führungskräfte

 

Rolle: Gestaltung von systemisch basierten Transformationsprozessen

 

Über die Unternehmung: Transform Consult AG ist ein auf Change und Transformation spezialisiertes Beratungsunternehmen

 



Das Interview wurde durch Frau Ilsabe von Uslar, lic.phil., Analytische Psychologin, durchgeführt

 

Was macht Corona mit Dir ?

 

Am Anfang gab es eher neutrale Gefühle, je länger ich alle Folgen gesehen habe, habe ich mich gefragt: was bedeutet das für mich und für meine Kunden ? In der nächsten Phase war klar, dass unsere gemeinsamen Projekte gestoppt werden, da alle sich jetzt um ihre eigenen aktuellen Sorgen kümmern mussten. Was für mich speziell war – genau einen Monat, bevor das ausgebrochen ist, habe ich mit einem Partner aus Deutschland ein Marktbearbeitungs-Projekt aufgegleist. Das haben wir dann gestoppt, weil wir zur Einsicht kamen, dass es nicht das ist, was Unternehmen im Moment beschäftigt

 

Wie hast Du Dich gefühlt ?

 

Dort hat so eine Art Wellental angefangen – na ja, jetzt ist alles Anders – was heisst das für meine zukünftigen Projekte – was muüsste geschehen, dass es weiter gehen kann. Es gab eine Phase, wo ich stark gehadert habe.

 

Was hat geholfen ?

 

Ganz wichtig waren Gespräche mit Lebenspartnerin und Geschäftspartner, auch ganz wichtig war, Sport zu treiben. Sport bringt mich zu strukturierten Gedanken, hilft mir, Dinge aus Distanz zu betrachten.

 

Was hast Du konkret gemacht ?

 

Ich beschäftige mich seit jeher mit Mountain-Biken. Dass ist für die körperliche und geistige Gesundheit gut. Da habe ich das Glück, dass ich nicht auf ein Fitness-Center angewiesen bin.

 

Das hat Dir geholfen, Distanz zu bekommen ?

 

Ja, Distanz, aber es ist mehr als Distanz, es ist eine Entspannung der Situation. Da ist die Grundlage, dass etwas Konstruktives entstehen kann. Mir war plötzlich klar, dass ich zwei Fragen beantworten muss: 1. Was kann mein Kunde brauchen in der jetzigen Situation, 2. Was kann ich tun, damit sich mein Unternehmen auch nach der Krise erfolgreich weiter entwickeln kann?

 

Was sind die Antworten ?

 

Die haben sich nach einigen Tagen ergeben. Ich wurde, wie sicher auch meine Kunden, immer mehr bombardiert mit Mails und Botschaften in den sozialen Medien, mit sogenannt guten Ratschlägen, Checklisten, Theorien über Krisenmanagement, Führung und wie man Change gestaltet usw. – Eigentlich alles Themen, die ich auf Grund meiner langjährigen Erfahrung und Beratertätigkeit aus dem ff kenne, und damit auch schon viele Projekte erfolgreich durchgeführt habe. Aber, je länger je mehr stimmte für mich dieser Zugang nicht mehr. Auf diesen Zug aufzuspringen wäre eine Illusion gewesen.

 

Was macht das mit allen betroffenen Unternehmungen ?

 

Ich glaube, dass die das bald nicht mehr hören können, dass sie sich fragen „woher wollen alle diese weisen Berater wissen, wie man jetzt durch so eine Krise kommt“.

 

 

Was hilft meinen Kunden ?

 

Es sind die Führungskräfte und Mitarbeiter, die jetzt die Helden sind in dieser Krise. Sie beweisen täglich, dass sie erfolgreich mit diesen Widerwärtigkeiten umgehen können. Aber ich gehe auch davon aus, dass bei ihnen immer wieder Zweifel aufkommen und dass das Bedürfnis nach Dialog und Austausch sehr hoch ist, trotz Zeitmangel und Überlastung. Dann war für mich klar, dass für Unternehmer und Führungskräfte jetzt der Austausch mit anderen Unternehmern am wertvollsten ist; Lernen aus der Praxis für die Praxis. Es gab noch ein weiteres Element: Die Krise hat zum Glück Werte, wie Solidarität, Kooperation und Gemeinschafts-Sinn wieder in den Vordergrund geückt.

 

Was ist für Dich die Konsequenz ?

 

Diese Überlegungen haben ganz automatisch zur Entscheidung geführt, eine Plattform zu schaffen, auf der sich Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter austauschen können.

 

Wer soll diese Plattform finanzieren?

 

Diese Plattform wird durch Transform Consult AG und Compagon GmbH finanziert. Jetzt ist der Moment da, wo man sich gegenseitig unterstützt, Solidarität lebt.

 

Was kann ich tun für mein Unternehmen ?

 

Durch die Idee mit der MOVE-Plattform kann ich eine Grundlage schaffen dafür, dass ich in Zukunft nach der Krise mit bestehenden und neuen Kunden weiterhin partnerschaftlich arbeiten kann.

 

Hat sich in Deinem Selbstverständnis etwas verändert ?

 

Ja, dieser ganze Prozess hat mich auch in meinen lange schlummernden Zukunftsplänen bestärkt – nämlich, dass ich vermehrt im Sparring und Coaching wirken will, weil ich der Meinung bin, dass gerade auch durch Erfahrungen in der Krise Führungskräfte und Mitarbeiter in der Lage sind, Change-Prozesse und Entwicklungen selber anzupacken – mit Unterstützung und Begleitung durch erfahrene Coaching- und Sparring-Partner.

 

Was würde sich dadurch im Schwerpunkt Deiner Arbeit ändern ?

 

Vermehrte Fokussierung auf Coaching und Sparring von und mit Entscheidungsträgern, Gesprächspartner sein, der im Gespräch Ressourcen und Möglichkeiten des Gegenuübers sichtbar macht – mit der tiefen Überzeugung, dass Ressourcen und Lösungen im Individuum per se schon vorhanden sind. Mir ist wieder bewusst geworden, dass mein Job eigentlich sein muss, die richtigen Fragen zu stellen, Austausch und Resonanz-Räume zu schaffen, so beim Gegenuüber vorhandene Lösungen sichtbar zu machen, anstatt von aussen Rezepte zu liefern.

 

Was wären Deine Mittel ?

 

Spannende Frage. Das bringt mich dazu, einen Satz zu sagen: dass Krisen auch eine Chance sind, sich auf Werte und Methoden zurück zu besinnen, die man früher gut fand und erfolgreich angewendet hat und die man zum Teil im Erneuerungs-Wahn durch neue Ideen ersetzt hat.

 

Was wäre das ?

 

Ich erinnere mich an meine langjährige Tätigkeit als Coach Führungskräfte auf Outdoor-Basis da habe ich u.a. mehrere Tage lang bei Brückenbauten über eine Schlucht Manager begleitet habe und so ungefilterte Reflektionsräume schaffen konnte, deren Ergebnisse dann im Unternehmensalltag eingesetzt werden konnten. Auch erinnere ich mich gerne an die unzähligen Coachings, die ich mit den Coachees wandernd in der Natur durchgeführt habe.

 

Wie muss man sich das konkret vorstellen ?

 

Man weiss ja, dass wenn man vis-à-vis sitzt, es sehr kontrollierte Dialog sind. Beim Wandern nebeneinander fühlt man sich viel freier, nur schon dadurch, dass man in der Natur ist. Dass lässt eine grössere Freiheit, ein grössere Repertoire an Lösungen und Ideen zu.

 

Man kann sich das auch so vorstellen : wenn ein Coaching in Geschäftsräumen stattfindet, prägt das das Denken des Coachees. Diese Umgebung erinnert an Alltagsthemen und wie man im Alltag üblicherweise Probleme löst. So entstehen keine neuen, im besten Fall optimierte Lösungen. Im absolut anderen Umfeld in der Natur können völlig neue Ansätze auftauchen, oft nach 20 Minuten, wovor man in einem klassischen Setting mehrere Sitzungen gebraucht hätte.

 

Was sind Deine Schlussbemerkungen zur MOVE-Plattform ?

 

Ich möchte, dass wir alle vermehrt den Mut haben, uns auf den Wert von authentischen Geschichten zu besinnen – Geschichten mit Tiefe und Zwischentönen, statt Rezepte und Checklisten. Ich möchte allen Teilnehmenden auf dieser Plattform in Interviews die Möglichkeit bieten, ihre Geschichten frei von der Leber zu erzählen, so wie ich es eben in diesem Interview gemacht habe. Damit potenzieren wir das Wissen, die Erfahrungen und Ideen von Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern. Eine Plattform für den Austausch während der Corona-Krise und die Zeit nachher. Wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen in die neue Zeit übertragen und die neu gewonnenen und wieder entdeckten Werte bewusst pflegen und leben.